Episode als Beitrag
Kennst du das auch. So Momente der totalen Langeweile. Du liegst rum, weißt nicht so richtig, was du tun sollst. Vielleicht liegst du dabei auf der Couch, vielleicht bist du gerade spazieren. Ganz egal… Es ist einfach gerade nichts los. Du langweilst dich.
Und vielleicht gehts dir da wie mir. Anstatt dich so richtig in der Langeweile zu sulen und sie voll auszukosten, spürst du, wie sich ein schlechtes Gewissen breit macht. Wie eine Stimme in dir immer lauter wird und sie ruft:
Hey… du könntest gerade etwas viel besseres machen. Los. Heb deinen Arsch hoch und tue was sinnvolles. ARBEITE
Langeweile ist keine Zeitverschwendung!
Vielleicht kenne das auch nur ich. Und du kannst solche Momente der Langweile total genießen. Doch wenn es dir so geht wie mir. Dann lass uns jetzt mal darüber reden, warum Langeweile der Schlüssel zum Erfolg ist und keine unnötige Zeitverschwendung.
Doch eine ganz wichtige Unterscheidung müssen wir machen. Es gibt mehrere Arten mit Langeweile umzugehen. Zuerst: Was bedeutet sie überhaupt. Langeweile bedeutet für mich in einem Moment zu sein, der auf den ersten Blick nichts spannendes oder Neues bringt. Wir tun nichts. Wir sind nicht in Aktion.
Mit einem Fallschirm aus 3.000m aus einem Flugzeug zu springen ist so ungefähr das Gegenteil von Langeweile. Ich glaube du kriegst den Punkt.
Und genau in diesen Situationen gibt es zwei Arten mit der Langeweile umzugehen.
- Du suchst dir ein Ausweichprogramm. Sie langweilt dich so sehr, dass du dich betäubst. Du schaltest den Fernseher an, schmeißt die Playstation an, rufst Jemanden an, spielst an deinem Handy rum… Vielleicht ist dein schlechtes Gewissen auch so groß, dass du dich zurück an den Schreibtisch setzt und versuchst wieder produktiv zu sein. Ganz egal. Du bewegst dich aus der langweiligen Situation hinaus.
- Oder du kostest den Moment voll aus. Du genießt die Langeweile. Die Ruhe, die Stille in deinem Kopf. Du spürst, wie der Nebel in deinem Kopf sich legt und du anfängst plötzlich wieder klar zu sehen. Du wusstest gar nicht, dass du bisher nicht klar sehen konntest. Doch jetzt merkst du plötzlich wie du kreative und inspirierende Gedanken hast.
Wir haben verlernt uns richtig zu langweilen
Ich glaube fest, dass wir verlernt haben uns zu langweilen. Wir assoziieren sie oft mit etwas schlechtem. Keiner wäre wirklich stolz zu sagen. Boah, weißt du was… Ich habe mich heute 4 Stunden richtig gelangweilt. Da könnte direkt die Frage aufkommen: Warum hast du nichts sinnvolles mit deiner Zeit angestellt…?
Doch weißt du was? Langeweile ist der Schlüssel: zum Erfolg, zu kreativen Gedanken, zu Lösungen, wo bisher nur Probleme waren, zur inneren Ruhe, zur Entspannung, … ich könnte noch eine Weile weitermachen.
Doch nur wenn du richtig damit umgehst. Dich zu betäuben, damit du die Langeweile nicht spürst, bringt diese Ergebnisse nicht. Du darfst also bereit sein, dich da richtig reinzuwerfen.
Lass mich dir ein Beispiel geben.
Ein Beispiel meiner Kundin
Ich habe gerade eine Kundin, die sehr sehr ambitioniert ist. Sie ist eine Macherin. Doch unsere gemeinsame Strategie erfordert es, viele ihrer aktuellen To-Dos liegenzulassen und stattdessen nochmal zurück an die Basis zu gehen: An der Positionierung und der neuen Strategie sinnvoll zu arbeiten. Anstatt planlos verschiedene Aufgaben zu erledigen und Dinge zu tun, ohne zu wissen, ob diese sie wirklich weiterbringen.
Die vielen Aufgaben, die sie bisher jeden Tag erledigte, haben ihr ein richtig gutes Gefühl gegeben: „Ich tue etwas“. „Ich bin aktiv“. „Ich bin produktiv“… Doch die gewünschten Ergebnisse haben sich nicht eingestellt.
Ich hab ihr also im Sinne unserer Strategie ein paar Hausaufgaben gegeben. Doch die waren anders als ihre Arbeit bisher. Sie haben ihr nicht das bekannte Gefühl gebracht.
Rate was stattdessen passiert ist. Sie wurde unsicher. Weil sie plötzlich Momente der Langeweile verspürte. Und diese im ersten Moment mit Stillstand gleichsetzte.
Sie schrieb mir „Für mich nicht ganz so leicht, mehr loszulassen, nicht ganz so viel zu pushen, machen wie sonst“
Darauf schrieb ich ihr folgendes:
Loslassen bedeutet nicht „blöd rumzusitzen“. Denn die Stille und das innehalten sind oft die wertvollsten und erkenntnisreichsten Momente. Stell es dir wie ein Glas gefüllt mit Wasser und Sand vor. All das Tun und die Bewegung sorgen dafür, dass der Sand aufgewirbelt wird. Daran ist nichts schlecht. Doch besonders klar sehen wir erst dann, wenn Ruhe einzieht und sich der Sand legt. Das ist die Situation, die ich gerade gern mit dir herstellen will. Du darfst also loslassen. Dich auch mal langweilen. Das heißt nicht, dass du still stehst. Ganz im Gegenteil.
Und genau so ist es. Langeweile bedeutet NICHT Stillstand.
Gestern hatte ich mit dieser Kunden eine weitere Session. Und weißt du was? Sie erzählte mir wie viel bei ihr gerade im Umbruch ist. Was sich alles tut.
Plötzlich bekommt sie telefonische Anfragen und weiß gar nicht, wo die auf einmal herkommen. Sie hat ihr ganzes Büro umgebaut und ist damit in einen anderen Raum ihres Hauses gezogen. Dort fühlt sie sich viel besser. Sie ist produktiver.
Von wegen Stillstand. Es hat sich so viel getan. Aber nicht aus einer „Ich muss unbedingt aktiv sein“-Motivation heraus. Sondern aus einem inneren Gefühl, dass das gerade richtig und wichtig ist.
Das ist so ein schönes Beispiel, was durch Langeweile alles großartiges passieren kann. Außerdem erzählte sie mir gestern, dass meine Nachricht, die ich dir gerade vorgelesen habe, Balsam für ihre Seele war. Weil sie ihr die Erlaubnis gab sich zu entspannen.
Warum der Jakobsweg (wertvolle!) Langeweile pur ist
Ich habe noch ein zweites Beispiel. Ich habe letztens eine Doku über Pilgerer auf dem Jakobsweg, bzw. korrekter dem Camino Francés, gesehen. Den kennst du bestimmt. Dieser wahnsinnig lange, ich glaube 800 km lange, Weg von St. Jean Pied de Port ganz im Süden von Frankreich bis nach Santiago de Compostela im Westen von Spanien. Unter anderem wurde dort eine Frau von der Reporterin interviewt, die den Weg schon mehrmals gelaufen ist. Sie erzählte folgendes.
Ich bekomme ihren genauen Wortlaut nicht mehr zusammen. Daher versuche ich es mal mit meinen eigenen Worten: Dieses ewige laufen ist wahnsinnig langweilig. Du machst den ganzen Tag nichts anderes als einen Fuß vor den anderen zu setzen. Immer und immer wieder. Hunderte, tausende Male. Viele Menschen suchen auf dem Weg eine Art Erleuchtung. Ich weiß nicht, ob es das gibt. Doch durch diese monotone Bewegung kommt der Geist zur Ruhe. Ich konnte noch nie so klare Gedanken fassen, wie auf diesem Weg. Und vielleicht ist das die Erleuchtung, nach der wir hier alle suchen.
In unserer schnelllebigen Welt und leistungsorientierten Gesellschaft gilt es fast als verpönt Langeweile zu genießen. Doch es ist der Schlüssel zu so vielen Dingen.
Probier es aus!
Das nächste Mal, wenn du dich langweilst möchte ich dich einladen, dich nicht zu betäuben mit dem Fernseher, deinem Handy, was auch immer. Sondern den Moment auszuhalten. Vielleicht die Augen zu schließen und einfach im Moment zu sein. Nichts zu wollen. Und einfach nur zu sein.
Vielleicht kommen dir Gedanken, Ideen, kreative und inspirierende Eingebungen, nach denen du schon lange gesucht hast.