Business starten

#5 Ohne finanzielle Rücklagen ein Business starten? Ich zeige dir 3 Möglichkeiten.

Hol´dir alle Episoden bequem
auf dein Smartphone.

Ich habe letztens in einer Facebook-Gruppe die Frage einer Frau gelesen, mit welchen Möglichkeiten sie möglichst schnell das eigene Business starten kann, da sie absolut keine Lust mehr auf ihr Angestelltenverhältnis hat und es sie Tag für Tag mehr auslaugt.

Diese Sehnsucht kann ich natürlich 100%-tig nachvollziehen. Als Unternehmensberaterin sehe ich darin trotzdem einige Schwierigkeiten, welche wirklich zu einem bösen Ende führen können.

Ein Business zu starten ist kein Hexenwerk. Es schüttelt sich aber auch nicht aus dem Arm.

Was ich leider zu oft beobachte, sind Menschen, die voller Begeisterung eine geile Idee haben, Hals über Kopf ihr Angestelltenverhältnis kündigen, sich total enthusiastisch in ihr Business stürzen und nach kurzer Zeit vor lauter Existenzängsten Nachts nicht mehr schlafen können. Davor möchte ich dich gern bewahren.

Die Frage ist also: wie kann du ohne finanzielle Rücklagen dein Business starten?

Auf die Frage in der Facebook-Gruppe habe ich sofort geantwortet. Und weil mir dieses Thema so wichtig ist, werde ich in dieser Episode etwas genauer darauf eingehen, was ich dieser Frau geraten habe.

Ich kann den Wunsch nach einer Tätigkeit, die einen wirklich begeistert, total verstehen.

Es gibt viele Beispiele, die zeigen, dass es mit einem harten Cut auch funktionieren kann. Es gibt natürlich Menschen, die kündigen ihren Job, beginnen ein Business und alles funktioniert reibungslos. Oder zumindest erscheint es so.

Manchmal sind es wahre Geschichten. Manchmal leider aufgeblähte Marketing-Versprechen. Was wir dabei vergessen ist die eigene Psychologie. Der Beginn einer Selbständigkeit ist immer mit einem Risiko verbunden. So wie ALLES im Leben mit einem Risiko verbunden ist. Ich meine, ein Angestelltenjob ist auch keine sichere Sache mehr.

Doch wir Menschen gehen mit psychischem Druck unterschiedlich um. Finanzielle Ängste, Sorgen und Unsicherheit können den Einen befeuern auf Höchstleistungen aufzufahren und den Anderen in eine Schockstarre fallen lassen, in der gar keine fundierten Entscheidungen mehr getroffen werden können.

Wenn du vor einem ähnlichen Schritt stehst, wie die Frau in der FB-Gruppe, dann frage dich bitte: „Zu welcher Sorte Mensch gehöre ich?“. „Wie gehe ich mit Unsicherheit um?“. „Wie leicht fällt es mir Risiken einzugehen?“. „Wie gut kann ich schlafen, wenn ich mich nicht drauf verlassen kann nächsten Monat meine Miete bezahlen zu können?“.

Auch wenn ich Schwarzmalerei nicht mag, möchte ich dich auf ein kurzes Gedankenspiel einladen. Stell dir vor du willst deinen (scheiß) Job kündigen und endlich das tun, worauf du richtig Bock hast. Du überlegst dir also eine Businessidee, recherchierst etwas im Internet, entwickelst die geilsten Träume, wie dein Leben aussehen könnte. Und ohne lange nachzudenken kündigst du deinen Job, meldest ein Gewerbe an und legst los. Sehr vereinfacht ausgedrückt gibt es zwei mögliche Szenarien:

  1. Alles funktioniert. Es gibt diese Menschen. Und vielleicht gehörst du dazu. Das will ich gar nicht ausschließen.
  2. Du wachst jeden Morgen auf und versuchst Kunden zu gewinnen, dein Produkt oder deinen Service zu verkaufen.

Doch entgegen deiner Erwartungen interessieren sich viel weniger Menschen für das, was du anzubieten hast. Einige tun es, doch sie bezahlen nicht. Oder sehr spät.

Der nächste Monat rückt näher und du hast noch nicht genügend Einnahmen, um deine Miete bezahlen zu können. Und etwas essen willst du ja auch. Du liegst fast jeden Abend im Bett und grübelst bis spät in die Nacht, wie du Geld verdienen kannst. Dein einziger Fokus ist es „ICH MUSS GELD VERDIENEN“.

Doch ein Business dreht sich nicht um dich. Es dreht sich um deine Kunden.

Hier ist der größte Knackpunkt, den ich sehe. Dein einziger Fokus ist es nun Geld zu verdienen. Das führt leider fast immer zu sinkenden oder ausbleibenden Einnahmen. Denn deine Aufgabe als Unternehmer oder Selbständiger ist es einen Wert für deinen Kunden zu erschaffen.

Sorge für ein festes Einkommen, das deine Lebenshaltungskosten deckt.

Was ich dir also von ganzem Herzen empfehlen kann ist folgendes: Sorge dafür, dass du halbwegs sichere regelmäßige Einnahmen hast. Solche die ausreichen, um deine Lebenshaltungskosten zu decken. So, dass du alle wichtigen Fixkosten decken kannst. Und daher mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit keine Existenzängste befürchten musst.

Wieso sage ich nicht „dass du mit SICHERHEIT keine Existenzängste haben musst“, sondern „…mit hoher Wahrscheinlichkeit“? Weil in unserer Welt nichts sicher ist. Kein Job, kein Unternehmen, keine Selbständigkeit, kein Einkommen.

Die Frage, die nun im Raum steht, ist also: Wie kann du dafür sorgen, dass du während des Aufbaus deines Business ein regelmäßiges, ausreichend hohes Einkommen hast?

Ich verrate dir jetzt 3 Wege, mit denen du dies schaffen kannst. Zu jedem Weg sage ich dir auch meine persönliche Meinung und was du jeweils beachten musst.

1. Suche oder behalte deinen Angestelltenjob

Numero 1 ist relativ offensichtlich: Starte deine Selbständigkeit nebenbei und suche oder behalte deinen Job. Dies ist wohl die vermeintlich sicherste Lösung. Vielleicht hast du bereits einen Job. Behalte ihn und stufe deine Stunden runter. Finde eine für dich passende Balance zwischen Einkommensverlust und gewonnener Zeit. Letztere kannst du nun in dein Business stecken.

Vielleicht kannst du deinen Job aber nicht runterstufen. Dann ist etwas mehr Disziplin gefragt. Oft höre ich die Ausrede, „Ich habe keine Zeit neben meinem Vollzeitjob“. Zu 99% stimmt das nicht. Die Frage ist: Was bist du bereit zu geben?.

Du könntest morgens eher aufstehen oder Abends an deinem Business arbeiten, statt Netflix and Chill zu betreiben. Du könntest die Wochenende nutzen. Es gibt sehr viele Möglichkeiten und freie Zeiten, wenn du bereit bist ehrlich und offen hinzusehen.

Wenn du dieses ausreichend hohe regelmäßige Einkommen hast, kannst du nun nebenbei deine Selbständigkeit starten. Je länger du dein Business führst, desto leichter wird es dir fallen wirklich einschätzen zu können, mit welchen Einnahmen zu dort regelmäßig rechnen kannst. Und je öfter deine Erfahrung zeigt, dass Einnahmen kommen, desto weniger Unsicherheit fühlst du. Jetzt kannst du beginnen deinen Job weiter runterzuspülen, um mehr Zeit in dein Business investieren zu können. Bist du den  vollständigen Absprung wagen kannst.

Dies ist in meinen Augen eine sehr tolle Möglichkeit. Jedoch wird dieser Tipp selten mit einem Lächeln erwidert. Denn natürlich ist die Sehnsucht JETZT voll zu starten und den (scheiß) Job endlich an den Nagel zu hängen so groß. Das kann ich so gut verstehen.

Doch überlege mal: Wie lange haderst du schon mit dir dein Business zu starten? Wie lange überlegst du schon, ob es funktionieren wird und ob du deinen Job kündigen kannst? Wenn du JETZT nebenbei anfängst, kann der Absprung plötzlich in sehr greifbare Nähe rücken.

Während du aber immer noch abwägst, welchen Weg du jetzt gehen willst (Job oder Business), bewegst du dich keinen Meter vorwärts.

Doch bevor du den vollen Absprung von deinem Job wagst, rechne bitte genau nach. Du brauchst höhere Einnahmen durch deine Selbständigkeit, als dein Nettoeinkommen aus deinem Job. Denn wenn du Vollzeit selbständig bist, musst du Umsatzsteuer abführen, Einkommensteuer und ggf. Gewerbesteuer bezahlen.

Du musst deine Krankenkasse bezahlen (das hat vorher zur Hälfte dein Arbeitgeber gemacht), hast Ausgaben für Werbung, Buchhaltung, ein Büro… etc. Stelle erst einen genauen Plan mit allen Variablen auf und entscheide dann, ob der Zeitpunkt für den Absprung in 100% Selbständigkeit schon gekommen ist.

Hier geht’s zu einer Episode des Podcasts, in welcher ich genau erkläre, welchen Umsatz du mit deiner Selbständigkeit erwirtschaften musst, um davon leben zu können.

Wir überschätzenvoft, was wir in einer kurzen Zeit schaffen können und unterschätzen, was wir in einer längeren Zeit schaffen können.

Welchen Preis bist du bereit zu zahlen, endlich mit deinem Business starten zu können und davon langfristig leben zu können? Ohne Stress, Ängste und Sorgen?

Ich gehe diesen Weg übrigens auch. Natürlich ist es eine Herausforderung diese beiden Bereiche zusammenzubringen und gedanklich die verschiedenen To-Do´s und Deadlines im Überblick zu haben. Aber ich schätze mein regelmäßiges Einkommen und kann ohne Ängste und dafür mir Spaß und einem wirklichen Mehrwert und Fokus für meine Kunden mein Business voranbringen.

2. Erziele von Beginn an ausreichend hohe Einnahmen

Die zweite Möglichkeit scheint konträr zur Ersten zu sein. Denn diese ist: starte All-in. Gehe voll in deine Selbständigkeit und beende die Zeit des angestellt seins.

Das ist der Weg, den die meisten gern gehen möchten. Wir neigen dazu die Dinge, die wir haben wollen, SOFORT zu wollen. Und manchmal vernebelt uns dieser Wunsch total die Sinne.

Verstehe mich nicht falsch. Diese zweite Möglichkeit ist absolut legitim und kann genauso funktionieren. Es gibt kein allgemeines richtig oder falsch. Die Frage ist immer: Welcher Weg ist für DICH der richtige.

Wenn du es schaffst deine Selbständigkeit so aufzubauen, dass du von Beginn an ausreichend hohe Einnahmen hast, dann brauchst du keinen festen Job als Angestellter nebenbei. Dann kannst du sofort All-in gehen.

Doch Vorsicht. Das könnt jetzt so klingen, als wäre keine Vorarbeit notwendig. Doch das ist sie.

Wenn du deine Selbständigkeit gut vorbereitest, dann ist dieser Weg definitiv möglich und absolut legitim. Doch such dir hierfür vor dem Start Unterstützung. Lass dich von einem Unternehmensberater beraten. Erkundige dich über die notwendigen Schritte und welche finanziellen und nicht finanziellen Belastungen mit dem Start auf dich zukommen.

Erstelle Planrechnungen, sprich mit potenziellen Kunden und sorge vor dem Start für Aufträge, die den Start reibungsloser gestalten lassen.

Schaue dir genau an, zu welchen Zeitpunkten welche Kosten anfallen und zu welchen Zeitpunkten du mit welchen Einnahmen rechnen kannst.

Gehe bitte realistisch ran. Tabellen können immer so gebastelt werden, dass sie das aussagen, was man sich wünscht. Daher: erstelle verschiedene Szenarien. Eines mit deinen realistischen Erwartungen. Ein vorsichtiges Szenario und ein großzügiges Szenario.

Überlege dir vorab, welche Optionen du hast, wenn Einnahmen ausbleiben. Du könntest z.B. bei deiner Bank einen Dispokredit beantragen, welcher dich bei ausbleibenden Einnahmen retten kann. Oder du suchst dir Jemand in einem persönlichen Umfeld, der dir dann aushilft.

Sprich mit dieser Person oder diesen Personen. Hab Jederzeit einen genauen Überblick, welche monatlichen PRIVATEN Kosten bei dir anfallen. Damit dich keine unerwartete Abbuchung böse überrascht.

Hast du das alles gemacht?

  • Hast du konkrete Zahlen und verschiedene Szenarien zur Entwicklung deines Unternehmens?
  • Weißt du genau, welche Kosten wann anfallen und welche Einnahmen wann mit hoher Wahrscheinlichkeit kommen?
  • Weißt du wie viele Rücklagen du für bilden musst? Hast du deine privaten Ausgaben im Überblick?
  • Hast du schon für erste Kunden gesorgt? Hast du Back-up Möglichkeiten geschaffen, die dich auffangen können?
  • Hast du Jemanden mit Expertise und Erfahrung an deiner Seite, dem du alle aufkommenden Fragen stellen kannst?

 Ja? Dann go for it!

Nein? Dann bitte hol dies nach und prüfe ehrlich, ob schon bereit bist.

3. Such dir finanzielle Unterstützung

Die Dritte Möglichkeit, um mit einem regelmäßigen Einkommen zu starten, sind externe Geldquellen.

Dazu gehören Privatdarlehen, Bankkredite oder auch staatliche Förderungen wie der Gründerzuschuss, bei ALG 1 Empfängern, oder das Einstiegsgeld bei ALG 2 Empfängern.

Dieser Punkt ist SEHR Umfangreich. Deswegen werde ich nur kurz darauf eingehen.

Um besonders zu Beginn deiner Selbständigkeit ausreichend Cash in der Tasche zu haben, gibt es natürlich verschiedene Möglichkeiten.

Du kannst eine Person in deinem Umfeld fragen, ob sie dir Geld leiht. Du kannst zur Bank gehen und nach einem Kredit fragen. Eventuell stehen dir sogar staatliche Förderungen zur Verfügung.

Besonders staatliche Förderungen sehe ich relativ unkritisch. Doch auch hier gibt es einiges zu beachten. Solche Fördermöglichkeiten kannst du zumeist nur in Anspruch nehmen, wenn du einen Antrag stellst, einen Businessplan einreichst und geduldig bist.

Der Businessplan ist nicht einfach so geschrieben, außer du bist sehr geübt darin. Erst beim Erstellen oder in einem Beratungsgespräch fällt vielen Gründern auf, wie umfangreich sowas werden kann. Natürlich gibt es auch hier 1.000 Dinge zu beachten. Daher: suche dir hierfür auf jeden Fall Unterstützung bei Gründerberatern oder einem Experten in deinem Umfeld.

Weiterhin mahlen die Mühlen hier meist langsam. Ob und wann dein Antrag bewilligt wird hängt meist von deinem Sachbearbeiter ab. Und dass er bewilligt wird ist auch nicht sicher. Es kann also passieren, dass sich deine hierin investierte Zeit nicht auszahlt. Zumindest nicht in Form des Zuschusses.

Du solltest für den gesamten Prozess (informieren, Businessplan schreiben, Antrag stellen, Bescheid abwarten) auf jeden Fall mehrere Monate einplanen.

Niemand schenkt dir einfach so Geld. Auch hier nicht. Daher ist es wichtig, dass du genau weißt, unter welchen Voraussetzungen und wie lange dir dieses Geld gezahlt wird. Und was du während der Förderungszeit beachten musst.

Eine andere Möglichkeit sind Kredite und Darlehen aus den unterschiedlichsten Quellen. Dies ist ein sehr berühmter Weg. Denn sie sind manchmal leichter zu bekommen als es gut ist.

Ich habe ja gerade schon gesagt, dass wir wenn wir etwas wollen, es meist SOFORT wollen. Kredite ermöglichen es uns SOFORT. Auch wenn es nicht die beste Entscheidung für DICH ist. Sondern meistens nur für die Bank. Denn die holen sich ihr Geld meist schonungslos.

Ob es pompöse Küchen, zu teure Autos oder Häuser sind. Für uns Deutsche gehört es zur Normalität verschuldet zu sein und locker flockig Kredite aufnehmen zu können.

Wenn es um deine Selbständigkeit geht, solltest du diesen Weg aber mit Vorsicht genießen.

Natürlich klingt es toll durch einen Kredit sofort loslegen zu können und nicht noch den nervigen Job nebenher zu machen, der dir dein regelmäßiges Einkommen sichert.

Doch wie viele unzählige Existenzen sind schon an einem Kredit zerbrochen, den sie nicht mehr zurückzahlen konnten bzw. der ihnen über den Kopf gewachsen ist?! Leider zu viele.

Daher ist es mein ehrliche Frage an dich: Ist dies WIRKLICH der Weg, den du gehen willst?

Die Möglichkeit der Kredite macht uns manchmal unkreativ. Bevor du einen aufnimmst frage dich GANZ ehrlich: welche Möglichkeiten stehen mir noch zur Verfügung?

Meiner Meinung nach sollte ein (Bank)Kredit nur die Letzte Möglichkeit sein!

Zusammenfassung

Welchen Dieser Wege du gehen willst, hängt von dir ab. Ich habe dir diese 3 Möglichkeiten vorgestellt:

  1. Suche oder behalte (d)einen Job,
  2. Erziele von Beginn an ausreichend hohe Einnahmen und
  3. Suche dir finanzielle Unterstützung durch externe Geldquellen.

Mir ist wirklich wichtig zu betonen, dass es KEINEN guten und richtigen Weg gibt, der für alle Gründer gültig ist oder den ich ohne weiteres Jedem empfehlen kann. Es ist immer eine individuelle Entscheidung. Bevor du diese jedoch triffst, beschäftige dich bitte unvoreingenommen mit allen 3 Möglichkeiten und sei dabei für Alternativen offen.

Erst wenn du alle Für und Wider gegeneinander abgewogen hast, kannst du die Entscheidungen treffen, welcher Weg für DICH der richtige ist.

Falls du dir dabei Unterstützung wünscht oder einfach Jemanden, mit dem du darüber unvoreingenommen sprechen kannst, dann melde dich gern bei mir.

Ich hoffe ich konnte dir einen guten Überblick geben, welche Möglichkeiten du hast, wenn du ohne finanzielle Rücklagen ein Business starten willst.

Und nun? Findest du nicht auch, dass es langsam Zeit wird aktiv zu werden und dein Business endlich anzugehen? Geld sollte dich auf jeden Fall nicht aufhalten!